
Heute feiert der von mir sehr geschätzte Suhrkamp-Verlag seinen 75. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Diesen Beitrag wollte ich eigentlich schon zum 70. Jubiläum vor 5 Jahren veröffentlichen. Aber besser spät als nie 🙂 Und so habe ich den Beitrag nochmal gründlich aktualisiert.
Ich mag das Verlagsprogramm einfach sehr. Ob es die Klassiker sind, die lateinamerikanischen Autor:innen, allen voran der von mir so geschätzte Julio Cortázar, jüngere Autor:innen wie Dana Vowinckel, großartige Sachbücher… – allein im Frühjars- und Herbstprogramm von 2020 gab es über 30(!) Bücher die ich gerne lesen möchte – und naja, allzu viele habe ich davon immer noch nicht gelesen.
Auf dem Bild oben sind verschiedene Reihen zu sehen:
Die Bibliothek Suhrkamp wurde 1951 gestartet, ist also fast genauso alt wie der Verlag selbst, und erscheint seit 1959 in der grafischen Gestaltung von Willy Fleckhaus, erkennbar an dem durch einen Querstreifen getrennten Schutzumschlag. Dieser war früher leicht glänzend und variierte in der Farbe von Buch zu Buch, seit Anfang der Nullerjahre ist er aus schönem weißem, etwas empfindlichen Büttenpapier. Die Bücher im Bild haben alle das Format 18×12 cm, die meisten Neuerscheinungen heute sind aber etwas größer und haben eine dezente, einfarbige Illustration auf dem Cover (hier gibt es aber auch Ausnahmen).
Die edition suhrkamp gibt es seit 1963, auch in der Gestaltung von Willy Fleckhaus. Die Umschläge waren früher stets in einer Farbe des Regenbogens gehalten. Heute erscheinen nebenher noch Ausgaben, die außerhalb der Nummerierung laufen, im größeren Format und mit Illustration auf dem Cover (z.B. Die große Regression, Zygmunt Baumanns Die Angst vor den anderen oder die Bücher des Soziologen Steffen Mau).
In den ersten Jahren hatten die Bücher sogar noch einen Schutzumschlag, der Buchblock selbst hatte einen grauen broschierten Einband. Mit Band 355, der 1969 erschien, wurde diese Praxis aufgegeben. Aber hin und wieder erscheinen auch heute noch Bücher der Reihe mit Schutzumschlag, bspw. Rainald Goetz wrong letztes Jahr. Vor allem in den Nuller- und frühen Zehnerjahren wurde auch mit unterschiedlicher Typographie auf dem Cover experimentiert, mittlerweile wird aber nur noch die Garamond verwendet.
Ein suhrkamp taschenbuch wissenschaft, eine seit 1973 existierende Reihe, hat es auch in das Bild geschafft – vom Sozialphilosophen Axel Honneth – mehr hatte ich noch nicht, als ich 2020 das Foto im Header aufnahm. Dort erschienen bspw. auch Bücher von Joseph Weizenbaum, einem Pionier der Forschung zur Künstlichen Intelligenz. Auch Lutz Raphaels Buch über die Geschichte der Deindustralisierung in Westeuropa oder Schreiben von Carolin Amlinger möchte ich unbedingt noch lesen.

Dazu folgen noch Bücher aus zwei Reihen, die es nicht mehr gibt:
Zunächst zwei Bücher aus einem der Weißen Programme, von denen es mehrere gab: im Frühjar 1983, der Verlag war 33 Jahre alt, verzichtete man weitgehend auf Neuerscheinungen und veröffentlichte 33 – für jedes Jahr einen – Romane noch einmal, mit weißem Schutzumschlag und in Leinen gebunden. 1987 erschien das Weiße Programm im Jahrhundert der Frau, neben den auf dem Bild zu sehenden Ausgaben von der französischen Autorin Colette und der mexikanischen Schriftstellerin Rosario Castellanos auch mit je einem Titel von Sylvia Plath, Clarice Lispector, Djuna Barnes, Marguerite Duras, Marieluise Fleißer und noch 15 weiteren Autorinnen, dazu noch vier Anthologien. Drei andere weiße Programme wurden außerdem noch veröffentlicht, 1984 eines für wissenschaftliche Bücher sowie 1990 und 1991 mit Büchern schweizerischer bzw. spanischer Autor*innen.
1996 startete die Reihe Romane des Jahrhunderts. Die Bücher mit matt-schwarzer Klappenbroschur, Seiten aus dickem weißen Papier und dem rein typographisch gestalteten Einband mit einfarbigen, metallisch-glänzenden, leicht eingeprägten Buchstaben machen haptisch – und im Bücherregal – wirklich was her. Die Reihe ist im wesentlichen eigentlich nur noch antiquarisch erhältlich. In dieser Ausstattung und zusätzlich mit Farbschnitt erschien vor drei Jahren aber immerhin noch einmal Ulysses von James Joyce.

Seit dem 50. Verlagsjubiläum im Jahr 2000 machte der Verlag viele Änderungen durch. 2002 starb Siegfried Unseld, es folgten turbulente Jahre, 2013 die Insolvenz. 2009 wurde der Umzug des Verlags nach Berlin beschlossen, das alte Verlagsgebäude in Frankfurt wurde 2011 abgerissen, die Villa von Siegfried Unseld 2024 verkauft. 2020 verstarb mit Raimund Fellinger der langjährige Cheflektor. Im gleichen Jahr schloss die ehemals verlagseigene Druckerei, das Druckhaus Nomos in Sinzheim. 2024 zog sich dann Ulla Unseld-Berkéwicz aus dem Verlag zurück, alleiniger Inhaber des Verlags ist seitdem Dirk Möhrle.
Der Verlag ist ein wichtiger Bestandteil des Geisteslebens in diesem Land und so wünsche ich dem Verlag alles Gute für die Zukunft und freue mich schon auf die nächsten Suhrkamp-Lektüren.
Falls ihr noch mehr über den Suhrkamp Verlag erfahren möchtet, sei hier der schöne Deutschlandfunk-Beitrag „Unter dem Regenbogen – 70 Jahre Suhrkamp – die Unseld-Jahre“ empfohlen, der 2020 zum 70. Jubiläum erschienen ist sowie „75 Jahre Suhrkamp Verlag – Bis heute unabhängiger Verleger großer Namen„ von SWR Kultur oder schaut doch gerne auf der Seite des Verlags zum 75. Jubiläum vorbei.







